Rendite richtig einordnen
Rendite beschreibt den Ertrag einer Anlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital über einen bestimmten Zeitraum. Bei Wertpapieren zählen Kursveränderungen und Ausschüttungen. Für eine brauchbare Einordnung gehören Zeitraum, Berechnungsmethode und Kosten zur Renditezahl. Einheitliche Angaben machen den Vergleich aussagekräftig.
Kursentwicklung und Ausschüttungen
Die Gesamtrendite berücksichtigt neben dem Kurs auch Ausschüttungen, die während des Zeitraums gezahlt wurden. Bei thesaurierenden Fonds fließen Erträge im Fonds wieder in das Vermögen ein. Vergleiche sollten dieselbe Anteilsklasse und eine vergleichbare Ertragsverwendung betrachten. Zusätzlich können Transaktions- und Produktkosten das Ergebnis vermindern.
Zeiträume und annualisierte Werte
Eine Rendite über mehrere Jahre kann als durchschnittliche Jahresrendite ausgedrückt werden. Das annualisierte Ergebnis glättet den Zeitraum, verdeckt aber einzelne starke Ausschläge. Eine einzelne Jahresrendite beschreibt ein Jahr; mehrere Zeiträume zeigen zusätzlich die Abfolge unterschiedlicher Marktphasen.
Nominale und reale Rendite
Die nominale Rendite misst die Veränderung in Geldbeträgen. Die reale Rendite berücksichtigt zusätzlich die Kaufkraftentwicklung, insbesondere die Inflation. Steigen Preise, kann die Kaufkraft langsamer wachsen als das nominale Guthaben. Steuern und persönliche Abgaben verändern die tatsächlich verfügbare Rendite ebenfalls.
Rendite ist gemeinsam mit Risiko und Liquidität zu betrachten: Portfolio-Risiko betrifft Schwankungen, Portfoliokosten mindern den Ertrag. Bei einer Portfolioanalyse werden diese Kennzahlen unter einheitlichen Zeit- und Bewertungsannahmen verglichen. Mit einem Fondskostenrechner lassen sich die Effekte verschiedener Gebühren bei denselben Renditeannahmen gegenüberstellen.
Vergleichsmaßstab und Kaufkraft
Ein Referenzindex kann die Entwicklung einer bestimmten Anlageklasse abbilden. Er passt nur dann als Vergleich, wenn Anlageuniversum, Währung, Ausschüttungen und Zeitraum zur eigenen Position passen. Der Vergleich mit einem breiten Aktienindex ist für ein gemischtes Portfolio mit Anleihen nur teilweise aussagekräftig. Eine passende Benchmark macht sichtbar, welche Marktbewegungen hinter der Rendite stehen.
Die reale Rendite setzt nominalen Ertrag ins Verhältnis zur Inflation. Bei regelmäßigem Sparen oder Entnahmen verändert sich außerdem der gewichtete Ertrag; Zeitgewichtung und geldgewichtete Berechnung beantworten verschiedene Fragen.
Ein- und Auszahlungen berücksichtigen
Bei einem Sparplan verändern laufende Einzahlungen das durchschnittlich investierte Kapital. Bei Entnahmen wirken Zeitpunkt und Betrag auf das tatsächlich erzielte Ergebnis. Eine zeitgewichtete Rendite misst die Anlageentwicklung unter Ausblendung der Zahlungszeitpunkte; eine geldgewichtete Rendite berücksichtigt, wann Kapital zu- oder abgeflossen ist. Beide Werte können korrekt sein und unterschiedliche Fragen beantworten.
Gesamtrendite und Jahresrendite berechnen
Ohne Zahlungsströme ist die Gesamtrendite Endwert geteilt durch Anfangswert minus eins. Ein Anstieg von 10.000 auf 12.100 Euro in zwei Jahren entspricht 21 Prozent Gesamtrendite. Die geometrische Jahresrendite ergibt sich aus der Quadratwurzel von 1,21 minus eins, also 10 Prozent pro Jahr. Ein arithmetischer Mittelwert der Jahresrenditen ist eine andere Kennzahl und bildet den Zinseszinseffekt nicht gleich ab.
Die reale Rendite verrechnet Nominalrendite und Inflation: (1 + nominale Rendite) / (1 + Inflationsrate) − 1. Bei 5 Prozent nominal und 3 Prozent Inflation ergibt sich rund 1,94 Prozent reale Rendite. Steuern und Gebühren verändern das individuell verfügbare Ergebnis zusätzlich.
Zahlungsstrom und Anlageergebnis auseinanderhalten
Ein hypothetisches Depot startet mit 10.000 Euro. Im ersten Halbjahr steigt es um zehn Prozent auf 11.000 Euro. Genau zur Jahresmitte zahlt der Anleger weitere 10.000 Euro ein; der neue Zwischenwert beträgt 21.000 Euro. Im zweiten Halbjahr verliert das Depot zehn Prozent und endet mit 18.900 Euro. Obwohl der Endwert deutlich höher als der Anfangswert liegt, übersteigen die insgesamt eingezahlten 20.000 Euro den Endwert um 1.100 Euro. Der persönlich erzielte Anlagegewinn ist hier negativ.
Die zeitgewichtete Rendite verknüpft die beiden Periodenfaktoren: 1,10 × 0,90 − 1 ergibt minus ein Prozent. Sie trennt die Anlageentwicklung von der Höhe der Einzahlung. Für eine geldgewichtete Rendite werden dagegen die konkreten Zahlungsbeträge und Zeitpunkte einschließlich des Endwerts verwendet. Dass im Beispiel besonders viel Kapital vor dem schwachen Halbjahr eingezahlt wurde, beeinflusst diese persönliche Rendite.
Durchschnittliche Prozentsätze abgrenzen
Bei Jahresrenditen von zwanzig Prozent und einem Prozent ergibt der Gesamtfaktor 1,20 × 1,01 = 1,212. Die geometrische Jahresrendite beträgt daraus rund 10,09 Prozent. Der arithmetische Mittelwert ist dagegen 10,5 Prozent. Nur der geometrische Wert führt bei zweimaliger Anwendung wieder zum selben Endvermögen. Beide Beispieljahre werden dabei ohne zusätzliche Ein- oder Auszahlungen gerechnet.