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Aktienkurs: Angebot, Nachfrage und Börsenhandel

Ein Börsenkurs ist der Preis, zu dem eine Aktie gehandelt wird. An einem Handelsplatz treffen Kauf- und Verkaufsaufträge zusammen. Stimmen Preis und Menge überein, kommt ein Geschäft zustande. Der angezeigte Kurs bezieht sich auf einen Handelsplatz und einen Zeitpunkt; an einem anderen Platz oder später kann der Preis abweichen.

Aufträge und Orderbuch

Anleger können einen Kauf- oder Verkaufsauftrag mit einem Limit versehen. Eine Limitorder legt den maximalen Kauf- beziehungsweise minimalen Verkaufspreis fest. Bei einer unlimitierten Order richtet sich der Ausführungspreis nach den verfügbaren Gegenaufträgen. Im Orderbuch werden verfügbare Kauf- und Verkaufsaufträge nach Preis und Menge geordnet. Wo passende Gebote aufeinandertreffen, kann eine Ausführung erfolgen. Bei einer größeren Order bestimmen verfügbare Mengen und Preise im Orderbuch den tatsächlichen Ausführungskurs.

Erwartungen bewegen Kurse

Marktpreise berücksichtigen Geschäftszahlen und Erwartungen über die Zukunft. Investitionen, Wettbewerb, Finanzierung, Zinsen, Inflation und Branchenentwicklungen können die Einschätzung künftiger Erträge verändern. Eine Nachricht wirkt auf den Kurs, wenn Marktteilnehmer ihre Erwartungen oder Aufträge anpassen. Aktienkurse bewegen sich auch bei unveränderter Unternehmenslage, wenn Marktteilnehmer ihre Erwartungen anpassen.

Liquidität und Handelsspanne

Liquidität beschreibt, wie leicht eine Aktie in üblicher Größenordnung gehandelt werden kann. Häufig gehandelte Werte haben oft mehr Gegenaufträge im Orderbuch als Werte mit geringerem Handelsvolumen. Die Differenz zwischen bestem Kauf- und Verkaufspreis ist die Geld-Brief-Spanne. Sie beeinflusst die Transaktionskosten und kann sich bei erhöhter Unsicherheit verbreitern.

Kurs und fundamentaler Wert sind unterschiedliche Perspektiven. Der Börsenwert ergibt sich aus Kurs mal Aktienzahl; der Unternehmenswert bezieht zusätzlich Fremd- und Eigenfinanzierung ein. Bei der Abgrenzung von Börsenwert und Unternehmenswert hilft diese Unterscheidung. Der Aktienkurs bleibt der Preis des gehandelten Anteils; bei Aktien kommen zu diesem Marktpreis Mitgliedschafts- und Vermögensrechte hinzu. Für die Preisermittlung an der Deutschen Börse werden die vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträge zusammengeführt.

Handelsplatz und Kursangabe

Kursinformationen sollten immer mit Handelsplatz, Zeitstempel und Kursart gelesen werden. Eröffnungskurs, letzter Umsatz, Schlusskurs und Geld- oder Briefkurs beschreiben verschiedene Situationen. Verzögerte Kursdaten können den zuletzt verfügbaren Stand zeigen, während der Marktpreis bereits weitergelaufen ist. Bei Unternehmensmeldungen außerhalb der Handelszeiten kann der nächste Kurs deutlich vom vorherigen Schlusskurs abweichen.

Ein Limit legt den höchsten Kauf- beziehungsweise niedrigsten Verkaufspreis fest; passende Gegenaufträge bestimmen den Ausführungszeitpunkt. Bei einer Marktausführung hängt der Preis von den verfügbaren Gegenaufträgen ab. Diese Unterschiede helfen, Kursanzeigen und Ausführungsabrechnungen sachlich zu vergleichen.

Limitauftrag in einer dünnen Ordertiefe

Stehen Verkaufsangebote zu 50,00 Euro für 20 Aktien und zu 50,20 Euro für weitere 30 Aktien im Buch, kann eine unlimitierte Kauforder über 40 Stück beide Preisstufen nutzen. Der Durchschnittspreis liegt dann bei 50,10 Euro, vor Gebühren: 20 × 50,00 plus 20 × 50,20, geteilt durch 40. Ein Kauf-Limit von 50,00 Euro würde dagegen höchstens die verfügbaren Stücke zu diesem Preis berücksichtigen. Sichtbare Aufträge können sich ändern oder zurückgezogen werden, bevor eine Order ausgeführt ist.

Kursarten und Spreads

Der letzte Umsatzkurs ist ein bereits abgeschlossener Handel. Geld- und Briefkurs zeigen verfügbare Kauf- und Verkaufsangebote, nicht zwingend einen bereits erzielten Preis. Die Differenz ist die Geld-Brief-Spanne. Bei geringer Liquidität kann sie größer sein und damit den sofortigen Ein- oder Ausstieg verteuern. Handelsplatz und Zeitstempel gehören deshalb zu jeder Kursangabe.

Ein Auftrag wird nach Regeln des jeweiligen Handelsplatzes und Brokers ausgeführt. Gebühren, Gültigkeitsdauer und mögliche Mindestgrößen beeinflussen das Ergebnis neben dem angezeigten Kurs.

Teilfüllung und noch offener Auftrag

Im Beispiel mit einem Limit von 50 Euro können zunächst nur 20 der gewünschten 40 Aktien gekauft werden, falls genau diese Menge verfügbar bleibt. Ob die übrigen 20 im Orderbuch stehen bleiben oder verfallen, hängt von Gültigkeit und Ausführungszusätzen ab. Eine Teilfüllung ist deshalb von einer vollständigen Ausführung zu unterscheiden. Für die tatsächlich gekauften 20 Stück entstehen zunächst 1.000 Euro Kaufpreis; Gebühren kommen entsprechend dem vereinbarten Preismodell hinzu.

Eine Kursanzeige von 49,90 Euro aus einem früheren Umsatz bedeutet nicht, dass aktuell 40 Aktien zu diesem Preis angeboten werden. Für den geplanten Kauf sind die verfügbaren Verkaufspreise und Stückzahlen relevant. Beim Verkauf zählen umgekehrt die Kaufgebote. Ein Limit begrenzt den akzeptierten Stückpreis; der Auftrag kann dennoch offen bleiben, wenn zu diesem Preis keine ausreichende Gegenorder vorhanden ist.