Börsenwert und Unternehmenswert
Die Marktkapitalisierung ergibt sich grundsätzlich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der maßgeblichen Zahl ausstehender Aktien. Sie schätzt den Börsenwert des Eigenkapitals zu einem bestimmten Kurszeitpunkt. Die Aktienzahl ist dabei ein Faktor, kein Nenner. Ein Nenner spielt etwa beim Gewinn je Aktie eine Rolle. Beide Größen können sich ändern, wenn sich Kurs, Aktienbestand oder Gewinn verändern.
Marktkapitalisierung und Grundkapital
Das Grundkapital ist eine gesellschaftsrechtliche Größe und in Aktien zerlegt. Es wird in der Satzung festgelegt und durch formelle Kapitalmaßnahmen verändert. Die Marktkapitalisierung beruht auf Börsenkurs und Aktienzahl und kann sich täglich verändern. Ein Kursrückgang reduziert den Börsenwert rechnerisch, während das Grundkapital unverändert bleibt. Das Grundkapital der Aktiengesellschaft bleibt damit eine andere Bezugsgröße als die laufende Marktbewertung.
Beispiel: 10 Millionen ausstehende Aktien zu 20 Euro ergeben 200 Millionen Euro Marktkapitalisierung. Steigt der Kurs bei gleicher Aktienzahl auf 22 Euro, beträgt sie 220 Millionen Euro. Gibt das Unternehmen weitere 2 Millionen Aktien aus und liegt der Kurs danach bei 21 Euro, sind es 252 Millionen Euro (12 Millionen mal 21 Euro). Der Börsenwert verändert sich damit durch beide Faktoren.
Unternehmenswert und Finanzierung
Unternehmenswert hängt vom Bewertungszweck ab. Beim Enterprise Value werden zum Beispiel Börsenwert des Eigenkapitals und Nettofinanzverbindlichkeiten betrachtet. Vereinfacht: Bei 200 Millionen Euro Börsenwert, 50 Millionen Euro Finanzschulden und 10 Millionen Euro Zahlungsmitteln beträgt der Enterprise Value 240 Millionen Euro (200 + 50 − 10). Weitere Anpassungen können je nach Rechenregel hinzukommen.
Die Kennzahl bezieht die Finanzierung ein, ist aber kein direkt beobachtbarer Verkaufspreis. Für einen Vergleich müssen Methode, Bilanzstichtag und einbezogene Schulden übereinstimmen. Ein Unternehmen mit höherer Nettoverschuldung kann bei gleichem Börsenwert einen höheren Enterprise Value haben als ein schuldenarmes Unternehmen.
Kennzahlen mit passenden Bezugsgrößen
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie; alternativ lassen sich Börsenwert und Unternehmensgewinn gegenüberstellen. Bei 4 Euro Gewinn je Aktie und 40 Euro Kurs beträgt das KGV 10. Gewinnbasis und Aktienzahl müssen zeitlich zusammenpassen. Einmalige Sondereffekte, schwankende Ergebnisse oder Verluste begrenzen die Aussagekraft.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis setzt Börsenwert und Umsatz derselben Gesellschaft für denselben Zeitraum zueinander. Es zeigt nicht allein, welche Gewinnmarge erzielt wird: Hoher Umsatz kann mit niedrigen oder negativen Gewinnen einhergehen. Kennzahlen sind nützlich, um Fragen zu strukturieren, aber kein eigenständiges Urteil über eine Aktie.
Vergleich und Aktienzahl
Unternehmen derselben Branche können trotz ähnlicher Umsätze unterschiedliche Bewertungen aufweisen, etwa wegen Wachstumserwartungen, Margen, Bilanzqualität, Investitionsbedarf, Wettbewerb und Verschuldung. Aussagekräftiger wird der Vergleich bei ähnlichen Geschäftsmodellen und Rechnungslegungszeiträumen. Zyklische Unternehmen sollten über mehrere Jahre betrachtet werden, damit ein außergewöhnlich gutes oder schwaches Jahr das Verhältnis nicht dominiert.
Auch die Aktienzahl benötigt einen klaren Stichtag. Rückkäufe können die ausstehenden Aktien verringern; Kapitalerhöhungen und Wandlungen können sie erhöhen. Beim Gewinn je Aktie wird oft eine zeitgewichtete Aktienzahl verwendet, während die Marktkapitalisierung Kurs und Aktienzahl zu einem Stichtag verbindet. Vergleichen Sie daher keine Kennzahlen mit ungeprüft unterschiedlichen Bezugszeiträumen.
Der Aktienkurs im Börsenhandel entsteht aus Aufträgen. Beim Vergleich von Aktien gehören zum Börsenwert auch Rechte und mögliche Erträge. Die Marktkapitalisierung bezieht sich auf den zum Kurszeitpunkt bewerteten Aktienbestand.
Zahlenbeispiel und Aussagegrenzen
Zwei Unternehmen haben jeweils 200 Millionen Euro Börsenwert. Unternehmen A erzielt 20 Millionen Euro Jahresgewinn, Unternehmen B 10 Millionen Euro. Das Verhältnis Börsenwert zu Gewinn läge vereinfacht bei 10 beziehungsweise 20. Daraus folgt nicht automatisch, dass A günstiger oder die bessere Anlage ist. Wachstum, Schulden, Investitionsbedarf, Sondereffekte und Stabilität der Gewinne können abweichen. Die Rechnung zeigt zunächst nur das Verhältnis von Marktpreis und aktuellem Gewinn.
Auch die Zeitbasis ist wichtig: vergangener Jahresgewinn, erwarteter Gewinn und bereinigter Gewinn sind nicht austauschbar. Bei Verlusten ist ein negatives KGV kein sinnvoller Hinweis auf die Zahl der Gewinnjahre, die im Kurs enthalten sind. Dann können Umsatz, Bilanz, Liquidität oder andere Verfahren zusätzliche Fragen beantworten. Jede Kennzahl sollte deshalb mit Datenbasis und Stichtag gelesen werden.
Diese Einordnung trennt drei Fragen: Wie bewertet der Markt das Eigenkapital, welche Finanzierung wird zusätzlich berücksichtigt, und zu welchen Erträgen oder Umsätzen steht der Preis im Verhältnis? Werden Definition, Zeitraum und Datenstand einheitlich gewählt, lässt sich die Kennzahl sinnvoller mit einem vergleichbaren Unternehmen gegenüberstellen.