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ETFs verstehen: Aufbau, Handel und Indexnachbildung

ETF steht für „Exchange Traded Fund“: einen Investmentfonds, dessen Anteile an einer Börse gehandelt werden. ETF bezeichnet den börsengehandelten Fonds; ein ETF kann verschiedene Anlageklassen und Strategien abbilden.

Index und Anlageziel

Bei einem indexorientierten ETF legen die Regeln des Referenzindex fest, welche Wertpapiere aufgenommen und wie sie gewichtet werden. Ein weltweit angelegter Index unterscheidet sich deutlich von einem Länder- oder Branchenindex. Deshalb sagt die Zahl der Positionen allein wenig über die Streuung aus. Indexwahl und Konzentration bestimmen die Marktbewegungen, an denen der Fonds teilnimmt.

Wie ETFs einen Index abbilden

Bei physischer Replikation hält der Fonds alle oder ausgewählte Indexwerte. Bei synthetischer Replikation nutzt er derivative Vereinbarungen. Beide Methoden haben Umsetzungsdetails, Kosten und Risiken. Die Fondsrendite kann vom Index abweichen, etwa durch laufende Kosten, Transaktionen, Steuern und Erträge aus Wertpapierleihe. Die Abweichung über einen Zeitraum heißt Tracking-Differenz.

Börsenhandel und Kosten

ETF-Anteile werden während der Börsenzeiten zum Marktpreis gehandelt. Dieser kann vorübergehend vom rechnerischen Nettoinventarwert abweichen. Geld-Brief-Spanne und Handelskosten beeinflussen den Kauf- und Verkaufspreis. Zudem fallen Fondskosten an, die in den Produktinformationen beschrieben sind.

Der ETF-Anteil trägt die Risiken der gehaltenen Anlagen und weitere produktspezifische Risiken. Indexfonds folgen den Regeln ihres Referenzindex unabhängig vom Handelsweg; diese Indexfonds lassen sich mit Blick auf Nachbildung, Kosten und Produktmerkmale mit anderen Fonds vergleichen. Auch bei ETFs können Marktpreis und Wert des gehaltenen Portfolios auseinanderlaufen.

Marktpreis, Nettoinventarwert und Handel

Während der Börsenzeit stellen Marktteilnehmer Kauf- und Verkaufspreise. Bei liquiden Fonds und geordneten Märkten orientiert sich der Preis am Wert der Fondsbestände, kann aber wegen Spreads, Handelszeiten und Marktereignissen abweichen. Für internationale Anlagen können die Handelszeiten der zugrunde liegenden Märkte eine Rolle spielen. Ein Kaufauftrag sollte deshalb über Handelsplatz, Auftragsart und Preisgrenze verstanden werden.

Bei ETFs in der Rechtsform eines Sondervermögens ist das Fondsvermögen vom Vermögen der Verwaltungsgesellschaft getrennt. Die konkrete Rechtsform steht in den Produktunterlagen. Marktpreis- und Liquiditätsrisiken des Fonds bleiben bestehen.

ETF ist Handelsform, Indexfonds eine Strategie

ETF bezeichnet einen börsengehandelten Fonds. Viele ETFs bilden einen Index nach, aber es gibt auch aktiv verwaltete ETFs. Indexfonds wiederum können als ETF organisiert oder über eine andere Fondsform angeboten werden. Für die Einordnung sind deshalb sowohl Handelsweg als auch Anlagekonzept wichtig.

Den Spread an einem Kauf und Verkauf erkennen

Angenommen, die besten Kurse eines ETF liegen bei 99,90 Euro Geld und 100,10 Euro Brief. Beim sofortigen Kauf von zehn Anteilen zum Briefkurs entstehen 1.001 Euro Kaufpreis. Ein unmittelbar anschließender Verkauf zum unveränderten Geldkurs ergäbe 999 Euro. Die Differenz von zwei Euro entspricht in dieser vereinfachten Rechnung der gesamten Geld-Brief-Spanne für zehn Anteile. Orderentgelte kommen gegebenenfalls hinzu. Die Rechnung unterstellt ausreichende Stückzahlen zu beiden Kursen und unveränderte Angebote.

Ein Kauflimit von 100 Euro verhindert unter diesen Angeboten die Ausführung zu 100,10 Euro. Der Auftrag kann offen bleiben, bis passende Verkäufer verfügbar sind. Ein Limit legt also den maximal akzeptierten Stückpreis fest, nicht den späteren Handelszeitpunkt. Für einen Fondsvergleich sind solche persönlichen Handelskosten von den bereits im Anteilwert enthaltenen laufenden Fondskosten zu trennen.

Bei regelmäßigem Sparen beeinflussen feste Ordergebühren die einzelnen Raten stärker, wenn die Kaufbeträge klein sind. Beispielsweise entspricht ein Euro Gebühr bei einer Rate von 50 Euro zwei Prozent, bei 200 Euro dagegen 0,5 Prozent. Der Börsenhandel ändert gleichzeitig nichts an Aktien-, Zins- oder Schuldnerrisiken des gewählten Fonds.

Den rechnerischen Anteilwert abgrenzen

Angenommen, ein Fonds besitzt Anlagen und Guthaben im Wert von 100 Millionen Euro und hat Verbindlichkeiten von einer Million Euro. Bei einer Million ausgegebener Fondsanteile ergibt sich ein Nettoinventarwert von 99 Euro je Anteil: 99 Millionen Euro Nettovermögen geteilt durch eine Million Anteile. Ein zeitgleich beobachteter Börsenpreis von 99,30 Euro läge rund 0,30 Prozent darüber. Der Aufschlag wird auf den Nettoinventarwert bezogen, nicht auf das gesamte Fondsvermögen.

Stammt der veröffentlichte Nettoinventarwert dagegen vom Vortag, können inzwischen veränderte Kurse einen Teil der Differenz erklären. Für die Einordnung gehören Bewertungszeitpunkt, Währung und Handelsplatz zusammen. Ein rechnerischer Aufschlag aus zeitlich verschiedenen Daten beschreibt deshalb nicht automatisch einen tatsächlich nutzbaren Preisunterschied.