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Ausschüttend oder thesaurierend: Erträge im Fonds

Investmentfonds können Erträge ausschütten oder im Fonds belassen und wieder anlegen. Eine ausschüttende Anteilsklasse zahlt nach Fondsbedingungen verfügbare Erträge an Anleger aus. Eine thesaurierende Anteilsklasse reinvestiert sie im Fonds. Beide Varianten können in dieselben Anlagen investieren und unterscheiden sich vor allem darin, wie Erträge weiterverwendet werden.

Wie Ausschüttungen funktionieren

Bei einer Ausschüttung erhalten Anleger einen Geldbetrag pro Anteil. Der Fonds kann dabei etwa Zinsen, Dividenden oder realisierte Erträge weitergeben, soweit Fondsbedingungen und Ergebnis dies vorsehen. Ausschüttungshöhe und -termine können variieren. Am Ex-Tag der Ausschüttung vermindert der Betrag typischerweise rechnerisch den Anteilwert; daneben wirken Marktbewegungen.

Wiederanlage und Zinseszinseffekt

Bei thesaurierenden Fonds verbleiben Erträge im Fondsvermögen. Dadurch können sie erneut investiert werden und an späteren Wertveränderungen teilnehmen. Der Anlageeffekt hängt von Wertentwicklung, Kosten und Produktgestaltung ab. Bei ausschüttenden Anteilen kann ein Anleger die erhaltenen Beträge selbst wieder investieren oder für andere Zwecke verwenden; eine automatische Wiederanlage richtet sich nach dem jeweiligen Angebot.

Ergebnis und Besteuerung

Der Gesamtertrag umfasst Wertveränderung und Ausschüttungen. Für den Vergleich sind deshalb beide Komponenten einzubeziehen und gegebenenfalls um Kosten sowie steuerliche Behandlung zu ergänzen. Für private Anleger mit steuerlichem Wohnsitz in Deutschland können neben Ausschüttungen auch Vorabpauschalen und Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen zu Investmenterträgen gehören. Eine Vorabpauschale kann nach den gesetzlichen Berechnungsregeln auch ohne tatsächliche Auszahlung entstehen.

Bei einem Fondsvergleich zählen Anteilsklasse, Ertragsverwendung und laufende Kosten. ETFs werden an der Börse gehandelt und können einen Index nachbilden; diese Merkmale bestimmen den Handelskontext von ETFs. Aktien-, Renten- und Mischfonds unterscheiden sich nach Anlageklasse und Mandat; bei Fonds und ETFs bestimmen diese Merkmale die jeweiligen Chancen und Risiken.

Praktische Unterschiede im Zahlungsfluss

Ausschüttungen können für Anleger planbare Geldeingänge schaffen, wobei Höhe und Zeitpunkt vom Fonds abhängen. Thesaurierung belässt die Erträge im Fondsvermögen und reduziert den Bedarf, Ausschüttungen selbst wieder anzulegen. Bei beiden Varianten verändert sich der Anteilwert mit den gehaltenen Anlagen. Die Produktunterlagen benennen, ob und wann Ausschüttungen vorgesehen sind und wie im Fonds verbleibende Erträge verwendet werden.

Beim Vergleich sollte die Gesamtrendite auf Basis wiederangelegter Ausschüttungen betrachtet werden. Für einen möglichen Steuerabzug auf eine Vorabpauschale wird deshalb gegebenenfalls Liquidität außerhalb des thesaurierenden Fonds benötigt.

Anteilsklassen vergleichen

Ein Fonds kann mehrere Anteilsklassen mit unterschiedlicher Gebührenstruktur, Währung oder Ertragsverwendung anbieten. Die Anteilsklasse ist deshalb Teil der Produktidentität. Im Vergleich werden gleiche Fondsstrategien und gleichartige Anteilsklassen gegenübergestellt. Eine mögliche Wiederanlage bei einem ausschüttenden Fonds richtet sich nach den Möglichkeiten des Depotanbieters; die thesaurierende Variante verwendet Erträge unmittelbar im Fonds.

Anteilwert und Ertragsfluss

Am Ex-Tag einer Fondsausschüttung sinkt der Anteilwert rechnerisch um den ausgezahlten Betrag, wenn andere Marktbewegungen unberücksichtigt bleiben. Bei einem Anteilwert von 100 Euro und einer Ausschüttung von 2 Euro wäre der entsprechende rechnerische Wert 98 Euro. Die tatsächliche Kursentwicklung kann durch Marktbewegungen abweichen. Für den Vergleich zählt die Gesamtrendite einschließlich ausgeschütteter Beträge.

Auswahl nach Verwendungszweck

Regelmäßige Auszahlungen können für einen geplanten Geldfluss praktisch sein. Wiederanlage kann den Bestand ohne zusätzliche Kaufentscheidung erhöhen. Ob ein Steuerabzug entsteht, hängt zusätzlich unter anderem von Freibeträgen, Verlustverrechnung und einer möglichen Teilfreistellung ab. Fondsberichte zeigen die Ertragsverwendung der jeweiligen Anteilsklasse.

Verglichen werden sollten gleiche Fonds oder Strategien, dieselbe Anteilsklasse soweit möglich und derselbe Zeitraum. Die Kosten sowie mögliche Wiederanlagekosten können das Ergebnis verändern.

Bei einer Ausschüttung von 2 Euro auf einen Anteil mit 100 Euro Wert beträgt die Ausschüttungsrendite bezogen auf den Anteilwert 2 Prozent. Sinkt der Marktwert auf 90 Euro, bleibt die Zahlung nicht automatisch gleich; der Prozentwert würde nur unter der Annahme einer unveränderten Ausschüttung auf 2,22 Prozent steigen. Für die Gesamtrendite sind Ausschüttung und Wertveränderung gemeinsam zu rechnen.

Eine Wiederanlage kann die Zahl der Fondsanteile erhöhen. Ihre Wirkung hängt von Kurs, Zeitpunkt und Transaktionskosten ab. Auszahlungswunsch und langfristiger Vermögensaufbau können daher zu unterschiedlichen Anteilsklassen passen.

Gleicher Ertrag in zwei Zahlungsformen

Zwei hypothetische Anteilsklassen beginnen jeweils bei 100 Euro. Vor Ertragsverwendung steigt ihr Wert auf 105 Euro. Schüttet die eine Klasse zwei Euro aus, verbleiben bei unveränderten Märkten 103 Euro im Anteil und zwei Euro auf dem Verrechnungskonto. Die thesaurierende Klasse behält 105 Euro im Fonds. Ohne Kosten- und Steuerunterschiede ist der Gesamtertrag beider Klassen fünf Euro oder fünf Prozent. Die ausgezahlten zwei Euro werden nicht nochmals als zusätzlicher Gewinn zu 105 Euro addiert.

Wer die Ausschüttung vollständig zum Kurs von 103 Euro wiederanlegt, erwirbt rechnerisch rund 0,01942 weitere Anteile je ursprünglich gehaltenem Anteil, soweit Bruchteile möglich sind. Das Produkt aus 1,01942 Anteilen und 103 Euro ergibt gerundet wieder 105 Euro. Orderkosten oder ein geänderter Wiederanlagekurs verändern das Ergebnis. Bei Thesaurierung bleibt dagegen die Zahl der bereits gehaltenen Anteile durch die interne Ertragsverwendung unverändert.